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Erlebnisse dank der Reka Stiftung Ferienhilfe

«Wir wollen Väter vernetzen»

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Medien

INTERVIEW von Thomas Compagno mit Stefan Cotti (60), Sozialarbeiter

Wenn sich Eltern trennen, sind viele Emotionen im Spiel – und meist wenig Geld. Ferien werden daher häufig als Erstes gestrichen, wenns darum geht, zwei Budgets mit gleich viel Einkommen einigermassen zu bewältigen. «Dabei wären Ferien so wichtig, um Abstand zu gewinnen, sein Leben und seine Gefühle neu zu sortieren», sagt Sozialarbeiter Stefan Cotti. Er leitet die Väter-Kinder-Woche der Reka Stiftung Ferienhilfe. Für solche Bedürfnisse hält die Stiftung diverse Angebote bereit.

In Disentis gibt es Väter-Kinder-Wochen. Tun sich alleinerziehende Väter schwer mit der Ferienplanung?
Stefan Cotti: Das ist nicht der Grund. Bei einer Trennung oder Scheidung muss viel neu organisiert werden. Neben Emotionalem ist auch Geld ein grosses Thema. Wenn die Finanzen knapp sind, wird meist bei den Ferien gespart; ausgerechnet in einer Lebensphase, in der eine Auszeit so wertvoll wäre. Das Angebot der Reka Stiftung Ferienhilfe ist deshalb interessant: Die Woche kostet 200 bis 600 Franken.

Warum nur Väter? Mütter haben ebenfalls Geldnöte.
Es gibt auch Ferienangebote für alleinerziehende Mütter. In der Woche, die ich oder einer meiner Kollegen leiten, sprechen wir speziell getrennt lebende Väter mit ihren Kindern an.

Haben alleinerziehende Väter andere Probleme als Mütter?
Es sind unterschiedliche Ausgangslagen. Obschon immer mehr Eltern ihre Kinder nach einer Trennung gemeinsam betreuen, leben die meisten Kinder mehrheitlich bei den Müttern. Die Väter haben dann im Alltag wenig Gelegenheit zu Kontakt. Für die Kinder ist es wichtig, dass sich ihre Väter aktiv mit ihnen be schäftigen. So werden die gegenseitigen Beziehungen gestärkt, was letztlich dem ganzen Familiensystem zugutekommt.

Wie laufen diese Wochen ab?
Am Morgen treffen sich die Väter zu einer geleiteten Gesprächsrunde. Oft kommen sich die Väter sehr schnell näher. Die Nachmittage gestalten sie dann mit ihren Kindern individuell. Sie sind auch für den Einkauf und das Kochen unter der Woche selbst verantwortlich. Es gibt kein rundum organisiertes Betreuungsprogramm durch die Leitung.

Müssen die Väter an diesen Gesprächsrunden teilnehmen?
Das wird erwartet. Anfänglich schwingt meist etwas Skepsis mit, die erste Anspannung legt sich aber schnell, und es entsteht eine vertrauensvolle Atmosphäre. Die meisten Männer empfinden den Austausch mit anderen Vätern als bereichernd. Jeder entscheidet selbst, was und wie viel er von sich erzählen will. Männer sind in unserem Kulturkreis oft eher weniger gut vernetzt als Frauen. Die Väter-Kinder-Wochen wollen das ein Stück weit korrigieren.

Was beschäftigt alleinerziehende Väter am meisten?
Oft geht es um das persönliche Zurechtkommen mit der Trennung: Was kann ich für mein eigenes Wohlbefinden tun? Wie kann ich mit der Mutter gut kooperieren? Wie meine Vaterrolle gut wahrnehmen? Und wie lässt sich die Beziehung zu den Kindern stärken? Die meisten stellen fest, dass es guttut, darüber nachzudenken und von anderen zu hören, wie diese alles regeln.

Klingt emotional anstrengend.
Dieser Eindruck ist falsch. Der Austausch wird als bereichernd und befreiend erlebt. Wir lachen viel und haben Spass. Es sind ja schliesslich Ferien. Dabei entstehen auch Freundschaften – unter den Kindern sowieso, aber auch unter den Vätern, die über die Woche hinaus weiter bestehen. Sie merken, dass nicht alles an ihnen hängt und sie mitgetragen werden von der Gruppe. Man unterstützt sich gegenseitig beim Einkauf oder bei der Kinderbetreuung.

Bleibt bei so viel Programm noch Freiraum?
Auf jeden Fall. Das Programm entwickeln wir gemeinsam, es ist nicht einfach vorgegeben. Wichtig ist, viel Freiraum zu schaffen, damit die Väter eben Zeit mit ihren Kindern verbringen können.

Coopzeitung Nr. 15 vom 11. April 2023

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